Klima- og
energiministerens tale ved CDU-seminar på hotel Adlon i Berlin om
innovative CO2- reduktionsstrategier. (Manuskript på tysk).
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen;
sehr geehrter Herr Kommissar!
Eigentlich müsste ich jetzt mit einem Schlager anfangen -
"Ich habe noch 'nen Koffer in Berlin!"
Und hier denke ich nicht an Marlene Dietrich, die auf der
„Who’s who-Visitor-liste“ von diesem fabelhaften Hotel steht;
sondern an meinen vielen Landsleute.
Viele Dänen haben nämlich nicht nur ihre Koffer hier, sondern auch
Schränke, Betten, Tische und was sonst so dazugehört in Berlin,
wenn man eine Stadt nicht nur besucht, sondern permanent
bewohnt!
Mit anderen Worten – Als Dänin fühlt man sich pudelwohl in Berlin,
und ich freue mich sehr hier eine Rede halten zu können.
Und das Timing ist auch perfekt; denn im diesem Jahr erreicht der
kulturelle Austausch zwischen unseren zwei Ländern einen neuen
Höhepunkt.
Gerade war Tokio Hotel in Kopenhagen – und im August kommt die
deutsche Fußballmannschaft!
Dann müssen wir sehen, ob dann der Weltmeister gegen den
Vizeweltmeister spielt.
Schaun’ ma’ mal, wie der Kaiser zu pflegen sagt.
Spass bei Seite, das Timing ist auch perfekt, weil wir nächste
Woche einen wichtigen Geburtstag feiern können –
für einen Mann, der sehr, sehr viel für das deutsch-dänische
Verhältnis getan hat.
Und hier denke ich natürlich an Altkanzler Helmut Kohl.
Für Dr. Helmut Kohl war die deutsche und europäische Einheit immer
zwei Seiten einer Medaille – und gerade deshalb ist Deutschland
heute für Dänemark ein ganz „normales“ Nachbarland.
Ja, „normal“ ist vielleicht ein Understatement, denn die
Bewunderung über die Bundeskanzlerin ist so gross, dass sie fast
die Position des Ministerpräsidenten streitig macht.
Da ich auch die dänische Ministerin für Gleichstellung bin, habe
ich damit natürlich keine Probleme…
Als ich das letzte Mal beruflich in Berlin war, war ich hier gerade
um die Ecke und habe für das dänische Fernsehen das 20-jährige
Jubiläum der Wende kommentiert.
Ein Bild – oder besser gesagt ein Poster – hat sich bei mir
einprägt.
Auf der Fassade der polnischen Botschaft hing das berühmte
89-Wahlposter von Solidarnosc.
Sie erinnern sich bestimmt an das Poster mit Gary Cooper aus dem
Western-klassiker um "12 Uhr mittags“.
Auf dem Wahlposter von 89 hatte der Town Marshall aber nicht wie
sonst einen Revolver in der Hand, sondern eine Wahlkarte!
Die Message der Polen war einleuchtend.
1989 war nicht nur ein historisches Jahr für Deutschland,
sondern für ganz Europa.
Damals wurde der Grundstein für das neue, vereinte Europa
gelegt.
Was hat das alles nun mit dem heutigen Thema zu tun, denken Sie
vielleicht?
Nun ja, lautet meine Antwort: Für uns Europäer ist es heute
wieder 12 Uhr mittags – im übertragenen Sinne.
Diesmal, aber, geht es bei dem Showdown nicht um Demokratie gegen
Kommunismus, sondern um Klima und Energie.
Es handelt sich auch hier um eine historische Herausforderung, denn
es geht um die Sicherheit unserer Versorgung.
Die Ausgangssituation ist die, dass mit einer Ausnahme alle
EU-Staaten Nettoimporteure von Energie – von Öl, Gas und Kohle
sind.
Die eine Ausnahme ist das Königreich Dänemark.
Aber auch Dänemark ist jetzt auf dem Weg,
innerhalb einiger Jahre Nettoimporteur von Öl, Gas und Kohle zu
werden.
Für alle EU-Staaten zeichnet sich deshalb das gleiche Problem
ab:
Wir werden zunehmend abhängig von Energielieferungen aus dem
Ausland – und unsere Lieferanten teilen bestimmt nicht alle unsere
Überzeugungen im Hinblick auf Demokratie und Menschenrechte.
Das ist nicht nur politisch problematisch.
Es ist auch wahnsinnig teuer.
Ein Politiker aus Fürth, der übrigens auch hier übernachtet hat,
hat es einmal so ausgedrückt:
„Wir sind Zeugen der größten Übertragung von Wohlstand von einer
Region auf die andere, die es je gab“. Und dieser Politiker war
natürlich Henry Kissinger.
Zum gleichen Zeitpunkt verschärft sich der globale Wettbewerb um
die Energieressourcen.
Diese Verschärfung hat mehrere Ursachen:
Zum ersten wird unsere Erde immer dichter besiedelt.
Am Ende des letzten Jahrhunderts gab es rund 1,5 Milliarden
Menschen auf der Erde. Im Jahr 2050 werden wir – laut Prognosen – 9
Milliarden sein.
Zum Zweiten steigt der Energieverbrauch rasant an – unter anderem
in großen Entwicklungsländern wie China und Indien.
Auch da können sich die Einwohner allmählich Autos, Kühlschränke,
Pauschal-reisen, Fernseher und so weiter leisten.
Und es gibt für weitere Steigerungen noch erhebliches
Potenzial.
Beispiel Indien:
Heute gibt es 9 Millionen Autos in Indien.
Sollten sie ihre Autoflotte nach dem amerikanischen Maßstab
ausbauen, kämen sie schnell auf 500 Millionen Autos.
Laut der Internationalen Energie-Agentur wird die globale Nachfrage
nach Energie bereits im Jahr 2030 um 40% gestiegen sein.
Kein Wunder also, dass Staats- und Regierungschefs heute Öl und
Gasleitungen mit dem gleichen Eifer auf die Weltkarte zeichnen, wie
sie früher koloniale Eroberungen mit kleinen Fahnen markiert
haben.
Man darf bezweifeln, ob das Angebot mit dieser Nachfrage
Schritthalten kann.
Und das kann sehr wohl bedeuten, dass die Preise rasant
ansteigen.
Und damit entwickelt sich die fortgesetzte Abhängigkeit von
fossilen Brennstoffen zu einer Bedrohung unserer
Wettbewerbsfähigkeit und unseres Wohlstandsniveaus.
Vor kurzem wies der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez
Zapatero darauf hin, dass unsere Abhängigkeit in Europa von
importierten Energieträgern in den letzten 10 Jahren von 44% auf
53% gestiegen ist.
Die Kosten für diese wachsende Abhängigkeit entsprechen ziemlich
genau dem Betrag, den die EU-Länder jährlich in Innovation,
Forschung und Entwicklung stecken.
Oder um es etwas konkreter auszudrücken:
Das Geld, das wir jetzt für ausländische Energie benötigen,
könnten wir gut in die Humboldt, die Technische Universität oder
die Frauenhofer Stiftung investieren.
Wir könnten die Ressourcen dazu gebrauchen, um die zukunftsfähige
Energiequellen zu entwickeln.
Das macht auch deshalb Sinn, weil Grüne Technologie eine der
wichtigsten Wachstumsbranchen in der Zukunft sein wird.
Die EU-Kommission geht davon aus, dass der Wert der globalen
Wirtschaft für kohlenstoffarme und weltfreundliche Produkte und
Dienstleistungen in 2015 auf über 4500 Milliarden steigen
wird.
Die Frage stellt sich also – wie meistern wir diese Herausforderung
gemeinsam in Europa – und welche Initiativen gehen wir bei uns zu
Hause an.
Um es gleich vorwegzunehmen – wir brauchen ein globales
Klimaabkommen.
Denn nur so werden wir auf der globalen Ebene den Druck für neue
Energiequellen entwickeln können– und eine sogenannte low-carbon
society.
Und als Klima- und Energieministerin Dänemarks muss ich ganz klar
und ehrlich zugeben, dass wir unser Ziel im letzten Dezember in
Kopenhagen nicht erreicht haben.
Dänemark war ausnahmsweise und in diesem Fall leider kein
Märchen-land!
Genau so klar muss ich Ihnen aber sagen
dass das Kopenhagener Abkommen nicht mit Hans Christian Andersens
Märchen – Des Kaisers neue Kleider – zu vergleichen ist.
Denn in Kopenhagen haben wir trotz allem wichtige Fortschritte
gemacht:
Es ist gelungen, die grossen Emissions-länder in einem gemeinsamen
Rahmen zu vereinen.
In Kyoto war das – wie wir alle wissen – noch nicht der Fall.
Heute stehen die Kyoto-länder nur für 30% der Emissionen auf
Weltebene.
Zweitens ist es gelungen, eine globale Verankerung des
Zwei-Grad-Ziels zu erreichen. Und es wurde unterstrichen, dass die
globalen Emissionen schnellstmöglich ihre Spitze erreicht haben
müssen.
Außerdem konnte ein Milliardenbetrag für Anpassung,
Technologieentwicklung und Kapazitätsaufbau in Entwicklungsländern
mobilisieret werden.
Bis jetzt haben sich mehr als 100 Länder der Vereinbarung
angeschlossen.
Und damit umfasst das Kopenhagener-Abkommen mehr als 80 % der
weltweiten Emissionen.
Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.
Deshalb müssen die internationalen Verhandlungen erneut in Schwung
kommen.
Die erste formelle Verhandlungssitzung findet in wenigen Wochen in
Bonn statt.
Und danach wird es im Jahresverlauf viele Sitzungen bis zum
Klimagipfel in Mexiko geben.
Aber auch die informellen Sitzungen können hoffentlich den
Verhandlungen neuen Schwung verleihen.
Und daher ist es sehr erfreulich, dass die Bundeskanzlerin und mein
Kollege Dr. Norbert Röttgen im Mai eine informelle
Ministerbesprechung auf dem Petersberg durchführen werden.
Was kann die EU tun?
Das eine sind internationale Verhandlungen, Etwas anderes ist das
interne Handeln in Europa.
Selbstverständlich müssen wir alle unsere Hausarbeiten
erledigen.
In Dänemark haben wir ein ganz klares Ziel – wir wollen unabhängig
von Öl, Gas und Kohle werden.
Und deshalb hat die Regierung einer unabhängigen Kommission den
Auftrag gegeben, im September einen Bericht vorzustellen, der ganz
klar beschreibt, wann und wie wir dieses Ziel erreichen
können.
Aber alleine schaffen wir es nicht.
„Europa gelingt nur gemeinsam“ pflegt die Bundeskanzlerin zu sagen;
Da könnten wir hinzufügen – Auch Energie und Klimapolitik gelingt
nur gemeinsam!
Wir brauchen einfach einen grossen „grünen europäischen
Binnenmarkt“ um gemeinsam neue Energiequellen zu entwickeln; da ist
der nationale Markt zu klein!
Und wir müssen natürlich unsere Ziele von 20% nachhaltiger Energie
und 20 % verbesserter Energieeffizienz im Jahr 2020
durchsetzen.
Auch müssen wir jetzt hart daran arbeiten, dass wir intelligente
Stromnetze – die sogenannten Smart Grids - entwicklen, die z.B mit
Haushalten und Elektroautos zusammenarbeiten.
Und wir müssen ein europäisches „super grid“ –
d.h ein pan-europäisches Stromnetz - das zur Integration
nachhaltiger Energie beitragen kann – ankurbeln.
Die EU-Kommission wird im kommenden Jahr außerdem einen neuen
Energiehandlungsplan für Europa vorstellen.
Und ich hoffe, dass der Handlungsplan kurzfristige, mittelfristige
und langfristige Perspektive enthalten wird – bis zum Jahr
2050.
Das ist notwendig, um in der Industrie Vertrauen zu schaffen und
Planungssicherheit zu geben.
Die zukünftige Energiepolitik der EU sollte deshalb so konzipiert
sein, dass die EU ihr technologisches Fundament stärken kann und
auf diese Weise an dem boomenden Markt in diesem Bereich teilhaben
kann.
Gleichzeitig müssen wir in den nächsten Jahren für eine
Realisierung der Ziele z. B. des Klima- und Energiepakets der EU
sorgen.
Denn dies gewährleistet entscheidende CO2-Reduzierungen
sowohl in teilnehmenden Sektoren, wie dem Elektrosektor ,
der Schwerindustrie oder in nicht teilnehmenden Sektoren, wie der
Landwirtschaft und dem Transport.
Außerdem bin ich mir sicher, dass beispielsweise das Ziel der EU,
dass alle neuen Gebäude bis 2020 fast energieneutral sein sollen,
einen soliden Beitrag zu den CO2-Reduzierungen der EU leisten
wird.
Meine sehr geehrten Damen und Herren; Liebe Kolleginnen und
Kollegen!
„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ – so könnte ich diese
Rede vielleicht beenden – und so wären wir wieder am Anfang
angelangt – 1989.
Aber als Däne komme ich lieber wieder auf den Koffer zurück.
Mitte des 19. Jahrhundertes hatte ein dänischer Philosoph und
Theologe seinen Koffer hier in Berlin.
Er hiess Sören Kierkegaard.
Und was hat es er einmal gesagt?
Verstehen kann man das Leben nur rückwärts; leben muß man es aber
vorwärts.
Recht hatte er – doch manchmal weiss man sogar im voraus,
was man tun muss; und dass ist genau der Fall in der Klima- und
Energiepolitik!
Deshalb lassen Sie uns in Europa diese Herausforderungen gemeinsam
vorwärts angehen!
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.